Alte & neue Gewohnheiten

5 Mar

Einige Dinge die ich mir hier angewoehnt habe oder die hier eben ueblich sind, wird’s ja bald in Alemania nicht mehr geben. Einige Dinge werde ich vermissen, andere weniger.  Da wäre zum Beispiel:

  • Leute duzen – egal ob alt oder jung, bekannt oder fremd. Das haben die Leute hier echt gut eingebuergert, jeder wird geduzt ohne wenn und aber (zumind. in Buenos Aires). Im Job, im Supermarkt, bei der Bank… egal. Nur in wenigen wirklich spiessigen Ausnahmefaellen kommt mal ein Sie zustande. Finde ich eigentlich ganz nett, vor allem wenn man Spansich grad gelernt hat ist man ja froh, wenn man die Verbform der 3. Person einfach mal irgnorieren kann.
  • Spitznamen wie “Boludo” (Depp) “Gordo” (Dicker) oder “Negro” (Schwarzer) verwenden. Hier voellig normal und ohne jegliche Wertung wird man staendig mit diversen Spitznamen betitelt. Die meisten davon sind nicht sehr nett, aber sind auch gar nicht so gemeint. Der Spitzname einer Freundin ist Gorda (Dicke) obwohl die gertenschlank ist. Im Kioks oder kleineren Geschaeften wird man vom Personal auch schon mal “Mami” (ja, auch ich) oder “Maestro” (“Meister”, fuer die Herrn) genannt.
  • Schlange stehen an der Bushaltestelle. Eigentlich eine eher deutsche Eigenschaft, aber hier wird das ganz gross bei jeder Gelegenheit zelebriert. An der Bushaltestelle besonders lustig anzusehen, wenn die Schlange dann schon mal gerne ueber einen Haeuserblock hinaus geht. In Alemania: Ach, einfach reindraengeln. Alte Leute wegschupsen und schnell Sitzplatz ergattern. War doch so, oder? ;)
  • Staendige Kleingeldsuche. Das werde ich echt nicht vermissen, dieser Mangel an Muenzgeld, das man fuer’s Busfahren u.a. benoetigt. Inzwischen hat sich das ganze ein wenig entschaerft, es wurden neue Muenzen verteilt und einige Buslinien fahren inzwischen schon mit Metro-Karte, eine Chipkarte die man mit Geld aufladen kann.
  • Entfernungsangaben in Haeuserblocks. Wenn jemand nach dem Weg fragt oder man sich irgendwo verabredet wird die Entfernung nicht in Kilometern oder Minuten kalkuliert, sondern in Haeuserblocks, da die Stadt zum Grossteil im Schachbrettmuster strukturiert ist. Ich bin inzwischen schon Profi in dieser Kalkulation. Weiss, dass ich zu Fuss pro Block ca. 2 Minuten brauche… Ampeln u.a. Hindernisse einkalkuliert. :)
  • Ampeln und Zebrastreifen ignorieren. Als Fussgaenger muss man hier staendig auf der Hut sein vor den verrueckten Autofahrern. Rote Ampeln werden gern ignoriert und Zebrastreifen sind eh nur Deko. Also ehrlich, die koennen kein Auto fahren hier. Ich bin mir sicher, das 90% der Leute in Alemania durch jede Pruefung fallen wuerden.
  • Busfahrplaene gibt es nicht. Man weiss einfach, dass so ca. all 10-30 min (je nach Linie und Tageszeit) ein Bus vorbeikommen sollte und wartet halt ab was passiert. Manchmal dauerts laenger, manchmal kommen gleich 3 Busse der gleichen Linie auf einmal.
  • Auf Konzerten wird kein Alkohol ausgeschenkt. Also nicht, dass ich so dringend Alkohol braeuchte, aber so ein Bierchen beim Konzert is manchmal doch ganz nett. Selbst die Supermaerkte und Kioske in der Naehe der Veranstaltung duerfen an diesem Tag nix alkoholisches verkaufen. Total bekloppt, weil jeder weiss es und bringt eben sein Bierchen von zuhause mit, man trinkt’s schnell aus bevor die Security die Flasche wegnimmt und fertig. Alternativ zum Alkohol beobachte ich einen erhoehten Drogenkonsum (also Marihuana), ist ja auch nicht verboten und laesst sich leichter transportieren. Selbst das grosse Quilmes Rock Festival (Quilmes ist eine Biermarke) verkauft nur Cola und Wasser.

Da faellt mir bei Gelegenheit bestimmt noch mehr ein…

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One Response to “Alte & neue Gewohnheiten”

  1. Percanta 10. Mar, 2010 at 10:58 #

    Oh, es wird meiner Erfahrung nach auch gesiezt – allerdings dort, wo man es weniger erwartet: Ich sieze zum Beispiel auch noch nach 9 Jahren meine Schwiegermutter. Sie duzt mich, ich sieze sie, weil sie das Zeichen des Respekts erwartet. Inzwischen ist es mir ganz recht, es funkioniert auch in umgekehrter Richtung als eine Art Abstandhalter.
    Saludos desde Rodriguez Peña… Percanta.

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