Kleine aber feine Unterschiede Argentinier vs. Deutsche

10 Aug

Kürzlich habe ich einen Deutschen hier kennen gelernt, der kürzlich in Argentinien angekommen ist und sich noch in der “Orientierungsphase” befindet. Woran ich das erkannt hab? Bei der Begrüßung hab ich ihm einen Kuss auf die Wange gegeben… und der Reaktion nach zu urteilen, war er das noch nicht gewohnt. Und mir ging es ähnlich, aber “andersrum”: Mir ist mal wieder aufgefallen, wie sehr ich mich schon an diese Umgangsformen hier gewöhnt habe. Und damit ihr lieben Leser für den nächsten Argentinien-Besuch gut vorbereitet seid, bitte weiterlesen:

Beso

Jeder, wirklich jeder (mit sehr wenigen Ausnahmen) begrüßt euch mit einem Beso (Kuss) auf die Wange. Das ist völlig normal wie in Deutschland die Begrüßung per Handschlag. Ja, auch Männer untereinander begrüßen sich so. Nur wenn sie sich nicht kennen, vor allem im Geschäftsleben, sind Männer untereinander manchmal etwas distanzierter bei der ersten Begegnung und belassen es bei einem Händedruck.  Unter Freunden und Bekannten kommt das sehr selten vor. Es wirkt sogar eher irritierend wenn jemand nur die Hand gibt zur Begrüßung. Mir geht’s inzwischen auch schon so! Wenn mir jemand die Hand reicht, ist mein erster Gedanke “Ok, das ist kein Argentinier” – oder “Hmm, ich glaub der/die mag mich nicht”. ;)

Die gewöhnliche Begrüßung ist hier ein Kuss auf die Wange – also nicht wirklich ein Kuss… man drückt halt Wange an Wange. Je nachdem, wie gern man sein Gegenüber mag, kann man die Intensität natürlich variieren. :-) Auch im Berufsleben wird geküsst was das Zeug hält. Kollegen, Chef, auch Kunden (selbst beim ersten Treffen) – ein Bussi und schon ist das Eis gebrochen.

Du

Dazu kommt, dass sich die Leute hier durchweg alle duzen, in nahezu jeder Situation (das ist aber eher eine Sache der Porteños – Bewohner von Buenos Aires). Dieses ständige Duzen führt dazu, dass ich in manchen Momenten etwas ins Stocken gerate (weil ich erst mal nach der richtigen Verbform kramen muss), beispielsweise wenn ich im kleinen Obst&Gemüseladen und die Ecke einkaufen gehe, wo ein etwa 70-jähriger netter Herr arbeitet, den ich natürlich nicht duzen möchte. Die Eltern einer Freundin aber (die über 60 sind) duze ich auch… hach, ihr seht schon, der Übergang ist fließend und es kommt natürlich auch auf die “buena onda” (Symphatie) zwischen den Leuten an. Ach, ein aktuelles Beispiel: Letztens habe ich ein Konto bei einer Bank eröffnet und der nette Herr (der war ungefähr in meinem Alter, sah sogar gut aus ;) hat mich mit Handschlag und Bussi begrüßt und natürlich geduzt. Find ich super, das macht die Sache doch gleich viel entspannter.

Boludo!

Eine weitere (mir sehr symphatische ;) Eigenart der Argentinos ist die sehr ausgeprägte Angewohnheit mit Schimpfworten großzügig um sich zu werfen. Und das nicht nur, wenn sie sich über jemanden/etwas aufregen. Auch ich werde von meiner liebsten Freundin hier “ey boluda” gerufen, wenn sie mir nur mitteilen will, dass ich ihr was vom Kiosk mitbringen soll (boludo/a = Dummkopf). Ein weiteres gutes Beispiel ist der Spitzname eines Freundes. Er stammt aus dem Norden Argentiniens, hat also pechschwarze Haare und etwas dunklere Haut. Deshalb wird er oftmals “Negro” (Schwarzer) genannt. Man stelle sich das mal im so politisch korrekten Deutschland vor. ;) Aber hier ist das einfach ein Spitzname, der überhaupt nix negatives bedeutet.

Uhrzeit

Pünktlichkeit ist Auslegungssache. Wenn ich mit Freunden zum Essen verabredet bin und es heißt, wir treffen uns um 22 Uhr bei mir zuhause, weiß ich, dass ich mir locker bis 22.30 oder gar 23 Uhr Zeit lassen kann, bis alle da sind. Niemand kommt pünktlich 22 Uhr. Das Witzige ist, dass jeder weiß, dass die anderen später kommen werden, deswegen geht man selbst halt auch ein bissel später los, um nicht als erstes da zu sein. Dabei finden viele Leute diese Angewohnheit eher nervig, aber wir befinden uns in diesem Teufelskreis… keiner will der erste sein. Ich auch nicht! Und wenn ich dann doch mal etwas früher da bin, heißt’s gleich “du bist halt ne Deutsche, typisch”.

Bei Veranstaltungen wird oftmals der Hinweis “puntual” (püntklich) unter die Uhrzeitangabe geschrieben, damit die Leute wissen, dass die Show wirklich um diese Uhrzeit anfängt. Wenn dieser Hinweis fehlt, kann man sich Zeit lassen und ruhig erste eine Stunde später kommen, die Veranstalter wissen ja, wie die Uhren hier ticken.

So weit, so gut. Fortsetzung folgt. :)

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3 Responses to “Kleine aber feine Unterschiede Argentinier vs. Deutsche”

  1. Gözde 10. Aug, 2009 at 18:48 #

    subba!das mit der pünktlichkeit ist besonders toll, wenn man dann wieder in deutschland ist. 22 uhr, mein handy klingelt: ,,gözde wo bist du?” ,,ähm, ich mach mich gerade fertig…” einige meiner freunde fügen an die uhrzeit : “aber pünktlich, nicht argentinische zeit”an…

    ergänzungen:
    che
    gorda (spitzname)
    chamuyero
    bella,linda,hermosa (kosenamen unter freunden)
    …:)

  2. Volker 11. Aug, 2009 at 04:47 #

    Hab letztens mit einem Amerikaner telefoniert, der ein paar Monate in Argentinien verbracht hat, um dort Land zu kaufen. Nachdem er mir ausgiebig von den sexy Argentinierinnen vorgeschwärmt hatte, kam auch die Sprache auf das Thema Pünktlichkeit. Nach seinen Aussagen steht die wirklich nicht gerade hoch im Kurs in Argentinien. Sätze wie “mach ich morgen” können auch bedeuten “mach ich in einer Woche” – oder gar nicht.
    Da seien die Argentinier eben ganz anders als “die Deutschen”. Scheint also so, als ob uns im Ausland noch immer der Ruf vorauseilt, besonders pünktlich und zuverlässig zu sein. Was meiner Erfahrung nach besonders für die junge Generation gar nicht mehr zutrifft, aber diese Klischees halten sich ja bekanntlich sehr lange.

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