Migraciones in slow motion

22 May

Heute morgen bin ich zu Migraciones gegangen – der Auslaenderbehoerde hier in Buenos Aires. Ich brauchte mal wieder einen neuen Stempel. War super vorbereitet, wusste genau wohin ich gehen muss, und so lief’s dann ab:

Laut Website oeffnet die Behoerde um 8 Uhr morgens ihre Pforten (tatsaechlich schon um 7.30h, wie ich spaeter feststellen durfte). Also frueh aufgestanden und um kurz nach 7h in den Bus gehuepft, der mich in die Naehe von Migraciones bringt. Ein Stueck muss man noch laufen – durch weniger huebsche Strassen, in der Naehe des Bahnhofs Retiro. Das hat auch alles ganz gut geklappt. Da ich mir nicht ganz sicher war, in welches Gebaeude ich muss, bin ich einfach dem Herdendrang gefolgt und hab mich der Masse angeschlossen, die an einer Tuer eine kleine Schlange bildete. Diese entstand nur dadurch, da jeder einzelne von einer mehr oder weniger freundlichen Dame mit den Worten “Adelante!” oder “Quien sigue?” (“der naechste”) begruesst wurde. Sie wollte dann wissen, was man hier will. Ich wurde dann durch das Gebaeude ans andere Ende geschickt. Am Eingang des naechsten Gebaeudes – die naechste Menschenschlange. Noch mal das Anliegen vortragen. Daraufhin bekam ich eine Nummer ausgedruckt und noch einmal den Hinweis, wo genau ich hingehen muss. Ok, verstanden – links rum, an der Glaswand vorbei, links halten und dann warten.

Am Ziel angekommen, war ich ganz erleichtert, da ich die Nr. 6 bekommen habe und vor mir nur noch 3 Leute warteten. Das sieht gut aus. 8 Uhr war’s und ich hatte die Idee, so gegen 9 Uhr wieder verschwinden zu koennen. Die zustaendige Dame lies sich jedoch recht viel Zeit bei ihrer Arbeit. Auch ihre Kollegen an den Nachbartischen. Der morgentliche Kaffee-/Mate-Tratsch musste erst noch vollendet werden, bevor die wartenden Leute bedient wurden. Mir ging dabei nur durch den Kopf “Wenn die schon 7.30h oeffnen, was haben die Leute dann die letzte halbe Stunde gemacht? Fruehstuckspause?”. Da wurde der Mate zubereitet, Kaffee gekocht, getratscht, gelacht und in Zeitlupentempo der Schreibtisch und Computer fuer den Tag zurecht gemacht. Und das alles in Anwesenheit unzaehliger Leute, die darauf warten, endlich dran zu kommen. Ich war scheinbar an einem Schalter gelandet fuer die “einfachen Visa-Faelle”, Leute aus anderen Laendern mussten nebenan warten (da gabs auch mehr Stuehle und noch mal einen Nummernautomat zum ziehen einer weiteren Wartenummer).

Ein Typ vor mir war sehr offensichtlich aus dem grossen Land mit dem bekloppten Praesidenten. Maximal 25, mit seiner tussigen Freundin, iPhone zum rumspielen, damit´s ja jeder sieht, Goldklunker am Finger. Das sind die Leute die den ganzen Tag durch Buenso Aires rennen und in den ueberteuerten Touristen-Restaurants ihre Dollars (oops!) raushauen mit den Worten “man, ist das alles billig hier!”. Anderes Thema… ;) Zurueck zu dem Typen. Der schaute die ganze Zeit extrem grosskotzig drein. Man muss sich vorstellen, dass in so einer Migrationsbehoerde nicht unbedingt die betuchtesten Menschen verkehern. Viele der Besucher sind Einwanderer aus anderen lateinamerikanischen Laendern wie Bolivien, Paraguay oder Peru, die in Buenos Aires versuchen ihr Geld zu verdienen. Deshalb stach der Typ so aus der Masse heraus (ok, ich wahrscheinlich auch, aber Deutsche sind hier ja eh viel beliebter hehehe). Als er dann an der Reihe war – wie befuerchtet – ging mit Spansich natuerlich nicht viel voran. Die Frau am Schalter war mindestens Ende 50 und sprach auch kein Wort englisch, hat’s auch gar nicht versucht. Na ja, so schwer war auch nicht zu verstehen, was er wollte. Pass + Kopien hergeben, das Wort Visum / Visa erwaehnen und los geht´s. Die Freundin wurde dann von ihm zum Bezahlen der 100 Pesos Gebuehr zur Kasse geschickt. Sehr freundlich. ;) Er wartete derweil geduldig am Schreibtisch (immer mit einem Kopfhoerer vom iPhone im Ohr – wichtig!).

Das Drama war irgendwann erledigt und ich war endlich an der Reihe (hab ca. eine Stunde drauf gewartet, da die besagte zustaendige Dame zwischendrin immer mal wieder verschwand oder mit ihren Kolleginnen in ein Schwaetzchen verfiel…). Ich konnte mich halbwegs ausdruecken, meine Daten wurden in den computer getippt, Rechnung ausgedruckt, 100 Pesos bezahlen gehen, mit der Quittung zurueckkommen, abgeben, warten. Eine weitere Angestellte, die am Nachbartisch sass, war fuer das Stempeln der Paesse mit dem neuen Visum zustaendig. Genau drei Paesse lagen auf ihrem Schreibtisch bereit zum Abstempeln, meiner inklusive. Dennoch musste ich noch mal 20 Minuten warten. Gibt schliesslich vieles zu besprechen, wenn die eine Kollegin ihre Tochter mit zur Arbeit bringt, die andere sich ueber die Frau aus Spanien beschwert, die neulich ihre Paesse fuer ihre sieben Kinder erneuern liess und was weiss ich nicht noch alles…

Irgendwann hat sie’s dann geschafft die drei Stempel zu verteilen in die Paesse. Mein Name wurde (sogar halbwegs korrekt ausgesprochen) aufgerufen und fertig war die Angelegenheit nach ca. zwei Stunden.

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4 Responses to “Migraciones in slow motion”

  1. jirjen?! 23. May, 2008 at 03:18 #

    Klingt wie früher bei uns auf der Zulassungsstelle *gg*

  2. Tara 25. May, 2008 at 10:50 #

    *haha* bei deiner bescheibung des “Typen” ist mir gleich dieser junge Mann eingefallen: http://www.vox.de/magazine_6039.php?artikel=76411 ; )

  3. mandy 25. May, 2008 at 12:15 #

    Tara, stimmmmmt… so ähnlich war der drauf. Oh weh, solche Leute machen mich echt aggressiv. grrrr!
    jirjen, das ganze Szenario erinnerte mich auch ein wenig an deutsche Behörden. Der Unterschied hier ist allerdings, das die Angestellten vor den Augen der Wartenden ihren Kaffee gemütlich schlürfen, tratschen… also ich aufm Arbeitsamt (ja, da hab ich mal gearbeitet…) hab immer mein Pausenbrot in einen wichtigen Briefumschlag gepackt und bin damit ganz beschäftigt über den Gang zur Pause “gehetzt”. :)

  4. Alex 30. May, 2008 at 14:18 #

    Bei deutschen Behörden kann man ja in manchen Fällen fast schon von “Serviceorientierung” sprechen, im Vergleich zu deinen Abenteuern! Beim Perso-Beantragen oder bei der Arbeitsagentur ist mir sowas nie passiert…

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